Do Raku
"Do-raku" könnte man übersetzen mit "die Freude am Weg" oder "spielen auf dem Weg". Dieser bei den Kampfkünstlern nur wenig bekannte japanische Ausdruck möchte daran erinnern, daß die Kampfkünste im Grunde alle dasselbe sind, nämlich vor allem ganz einfach die Freude am Leben. Das bedeutet, daß man mit so viel Liebhaberei bei der Sache sein muß, daß man nicht riskiert, sich selbst zu ernst zu nehmen und sich "Scheuklappen aufzusetzen", was so vielen Übenden, sogar hochgraduierten, passiert, die dann ohne nach rechts und links zu sehen mit ihrem ganzen Stolz und ihrer ganzen Besessenheit in eine Sackgasse geraten. Dort enden sie dann eines schönen Tages, ohne verstanden zu haben, was eigentlich geschehen ist.

Dagegen muß man das Budo immer leben, beständig, gemächlich, auch im Alltag, ohne sich allzusehr um das Weiterkommen zu bekümmern, ohne Karriereplan. Nur mit Glück, mit sich selbst im Einklang, sogar ohne erklären zu wollen, daß ohne "es" das Leben nicht genauso schön wäre, und daß "es" der Begleiter einer Lebensweise ist. Einfach Freude haben beim Üben ... ohne besitzergreifenden und hinderlichen Endzweck.

In einer solchen Ausrichtung des Geistes liegt der wahre Schatz, nämlich vor allem Do-raku. Im "Centre de Recherche Budo" wollen wir auch weiterhin die Kriegskunst leben als eine grundlegende Notwendigkeit unserer Existenz, die wir brauchen wie die Luft, die wir atmen, ohne nach dem Warum oder Wie zu fragen. Wir üben, wir atmen, wir leben. Zusammen. Dasselbe Glück ist es, zusammen auf dem Weg zu gehen. Wir wollen von keinem etwas, wir hängen von keinem ab. Wer es noch nicht wissen sollte: der CRB ist unabhängig und frei in seinen Entscheidungen, so es wie früher die Ronin waren. Immer wieder spüren wir dieses Do-raku in unseren Dojo, wo wir miteinander verbunden sind durch die Anstrengung beim Üben, durch das Vertrauen, durch die Freundschaft zwischen den Sensei und ihren Sempai. Und die von den Kohai, die sich uns gerne anschließen wollen.

Wirklich schade ist es um die Fortgeschrittenen oder Anfänger, die aus tausend Gründen weggehen, ohne sich die Zeit genommen zu haben, sich unserem harten Kern anzuschließen. Denn es ist leider so, daß jedes Jahr viele zu uns kommen, um mal eben ein bißchen herumzuschnuppern und die dann gehen, ohne irgendwem etwas zu sagen. Das ist wirklich schade. Nämlich für sie.

Auf welchem Weg werden sie sich wohl eines Tages etablieren, wo auch sie die "Freude am Spiel" haben werden ?

 

Roland Habersetzer.

Übersetzung von Franz Scheiner und Claudia Collani