des
"Centre de Recherche Budo"

Formen des Unterrichts von Habersetzer Sensei.

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Zeichentrickfilm

 

Kumite Kata, eine Kata oder Form zu zweit.

Für eine lebendige Tradition...

Vor längerer Zeit ist mir ganz plötzlich aufgefallen, daß es im Leben eine ganze Reihe von Möglichkeiten, das Beste zu suchen, das im Menschen existieren kann. Sich nämlich dorthin aufzumachen, was wir Übenden der Kampfkünste "Do" oder "Michi" oder den "Weg" nennen, den Pfad, der beständig von uns die Überwindung unseres "primitiven" Sein fordert und der uns in den Zustand setzt, "wahrhaft" zu sein. Wie auch Sie, so habe auch ich mich eines Tages dazu entschlossen, mich dem traditionellen Weg der Kampfkünste des Fernen Ostens anzuvertrauen um etwas zu befriedigen, was man als "Bedürfnis nach Vervollkommnung" definieren könnte. Denn dieser Weg schien am besten meinem Temperament zu entsprechen und auf all die Fragen eine Antwort zu geben, die sich mir mit dem Wachsen der Lebensenergie in mir stellten. Der Weg hat mir schon viele Antworten gegeben und, soviel weiß ich, er wird mir noch viele andere geben. Dieser Weg gelangt nie ans Ziel. Nur die Zeit auf dem Weg ist uns zugemessen.

Abgestoßen durch die unvermeidliche sportliche Entwicklung der Kampfkünste, besonders des Karatedô, und durch das zügellose Praktizieren des Wettkampfs, der mir eo ipso als Verneinung des Geistes des traditionellen Unterrichts erschien (der ja darauf abzielt, den Menschen zu bilden und nicht ihn mutwillig zu zerstören; das Bedürfnis, zu überleben, ist in Wirklichkeit nämlich kein Spiel), getäuscht durch die Unfähigkeit einer Reihe von Autoritäten (Japaner inbegriffen), die die Vorgaben mit allem Gewicht erwirklichen wollten, empört über die Blender und die trügerischen Diskurse all' derjeniger, die im Weg immer nur ein Alibi für die Befriedigung ihres Ego gesehen haben, möchte ich mit meinen vielen Schriften sagen, daß der Geist der Tradition nicht mit bequemen Arrangements vereinbar ist. Die Tradition ist ein Geflecht von Erziehungsmaßnahmen, die aus dem kulturellen Humus gemacht sind, der sich viele Generationen lang gebildet hat. Das ist so im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden. Ihr Wert beruht auf der Tatsache, daß man nur wissen muß, wie man sie einatmet, um sich in Einklang zu fühlen mit dieser Art von umfassender Schwingung, die allen Menschen aller Zeiten zu eigen war, die auf der Suche nach dem Essentiellen waren, mit den Vorstellungen und Möglichkeiten ihrer jeweiligen Epoche. Wollen wir dasselbe tun: atmen, schwingen, unsererseits entdecken, um dann auf unsere Weise diesen Humus bereichern, aus dem die anderen schöpfen werden, um noch weiter zu kommen. Die Tradition ist ein lebendiger Leib: sie wird schwächer und verschwindet eines Tages, wenn man sie einzig und allein nährt um des Vergnügens des überflüssigen"Ich" willen. Sie wird dann für das Fortkommen der Gemeinschaft unwichtig. Sie wird Folklore und hat nichts mehr zu tun mit dem Geist des "Weges".

Es scheint mir, daß unserer Jahrhundert, das in der Tat so viele Kriege gesehen hat und das nicht immer vor anderen Konflikten geschützt ist, das sich aber rühmt, vor allem dank der Technologie, die beständig Raum und Zeit verringert, die Humanität auf ein kulturelles und soziales Niveau gehoben zu haben, das bis dahin ungleich war. Auf verschiedene Weise kann unser Jahrhundert seinerseits das bereichern, wovon es sich genährt hat, um das zu werden was es ist. Das ist es schuldig und das schuldet ihm jeder von uns nach seinen Möglichkeiten. Denn nur so geht es weiter und das Leben bekommt einen Sinn. Das habe ich meinerseits zu tun versucht seitdem ich verstanden habe, daß jenseits der Techniken und mittels der Techniken der Geist der traditionellen Kampfkunst aus Gewalt und Friedfertigkeit überleben muß in einer Welt, die soviel mehr neuerungssüchtig als jemals zuvor. Vielleicht täusche ich mich ja. Aber dann habe ich zumindest versucht, eine tiefen Überzeugung Gestalt zu verleihen.

Aus diesem Geist heraus schuf ich zu der Zeit, als ich mit dem Verhalten der Gruppierungen und Föderationen brach, die im Karatedô nur einen Sport sahen, im Jahre 1974 nämlich, eine Kata, klassisch zwar in ihren Techniken, doch modern in ihrem Geist, verschieden von dem der traditionellen Kaisho-Kata, die ich sie dieser Zeit in vielen Ländern inklusive Japan gezeigt und gelehrt habe. Es handelt sich um zehn Bewegungsabläufe, die die "10 Kumite Kata" genannt werden, die aber in Wirklichkeit nur eine einzige Kata bilden. "Kata" heißt sie, weil es sich um eine "Mutterform" handelt, die die in den drei großen Karate-Stilen (Shotokan, Wado-ryu und Goju-ryu) entwickelten Techniken weitergibt. Kumite heißt sie, da es ein Kampf ist, in dem Tori und Uke tatsächlich in Kontakt miteinander kommen und wo Verhalten und Haltung wirklich aus vom Körperkontakt und der Wahrung der Distanz herrühren. Ich wollte nicht kodifizieren um des Kodifizierens willen, oder um des Spektakels willen. Die Bedeutung der 10 Kumite-Kata ist folgender: ich wollte meinen Respekt für die Meister von Früher zeigen, indem ich mich ihrer Techniken bediente, doch wollte ich gleichzeitig einen Geist der Toleranz und des gegenseitigen Respekts einführen, damit die Übenden aus den verschiedenen Stilen ohne Vorurteile, auf dem selben Weg, zusammen üben. Und endlich, oder vielleicht sogar vor allem, sollte man meiner Meinung nach dem Üben des "Ich" keine übertriebene Bedeutung geben mit Hilfe des Alibis, wie es häufig die aKata ist, die man einer Jury oder einem Publikum als Richter zeigt, die über die Vorführung richten oder ihr applaudieren. Die angeborene menschliche Eitelkeit muß nicht auch noch gefördert werden...

Die Serien meiner Kumite-Katas sind ein beständiger Anreiz, sich zusammen mit einem Partner und nicht mit einem Gegner weiterzuentwickeln, wobei im Wechsel der eine "siegt" und der andere "verliert", aber nur in den Augen der anderen (was nicht zählt). Tori und Uke wissen, daß nichts möglich ist ohne Harmonie und daß ihre Kata nur gelingen kann, wenn einer mit dem anderen in einen gemeinsamen Rhythmus kommt. Häufig ist eine Kata nur die Möglichkeit, zu glänzen und sich in Erscheinung zu setzen. Die Kumite-Kata appelliert an die richtige Ordnung: Sein ist wichtiger als Schein. Man kann nicht sein, wenn man die anderen ablehnt. Die Kumite-Kata stellt eine Möglichkeit dar, sich auf den anderen zuzubewegen und mit ihm durch die äußere Gewalttätigkeit hindurch die Friedfertigkeit zu lernen. Sie ist Sprache und Ort der Begegnung. Sie ist Schule für's Leben und für's Zusammenleben. Sie faßt die Lehre zusammen, die ich durch die Führungskräfte der Dojo meines "Centre de Recherche Budo"(Budo Forschungszentrum) zu vermitteln suche. Sie stellt meinen bescheidenen Versuch dar, auf meine Art und Weise die Tradition zu nähren, das Dojo, diesen "Ort wo Geist des Weges weht", damit man den Weg gemeinsam gehen kann.

Ich bin überzeugt, daß man mit allen möglichen Mitteln und ohne Zögern die Menschen an das erinnern muß, was sie für ihren Fortschritt brauchen. Das ist weit von dem entfernt, was man unter "Vorteil" versteht. Ich habe zu große Angst für die kommenden Generationen, die mit Gewalt ständig dazu angestachelt werden, immer selbst der Gewinner zu sein, die einen gegen die anderen, für den größtmöglichen, doch kurzlebigen Ruhm ihres Ego; die Männer und die Frauen von Morgen werden erst zu spät erkennen, daß sie sich so selbst programmiert haben, gemeinsam zu verlieren.

Die Botschaft jeder wahren Kampfkunst lautet daher seit Jahrhunderten klar und unverändert: siegen heißt zuallererst sich selbst besiegen... Versteht diesen Schlüssel der Weisheit, heute und auch noch morgen, indem ihr beständig diese zehn Kumite-Kata des "Centre de Recherche Budo" studiert.

Nur Mut und gute Reise!

Roland HABERSETZER
8.Dan Karatedo
Gründer und Präsident des C.R.B

In: "Kumite-Kata", September 1995.

 

(Übersetzung : Claudia Von Collani, Würtzburg )

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